Resümee des MC Kuhle Wampe zum „Stopp Air Base Ramstein“ Camp und zur Menschenkette 2017

https://www.kuhle-wampe.de/resuemee-zu-stopp-air-base-ramstein/

Im Vorfeld ist ja einiges an Diskussionen innerhalb unseres Verbandes unterwegs gewesen, wer da alles anwesend sein wird und ob dass das richtige Umfeld für eine Teilnahme von Wampen ist. Auf dem Verbandstreffen kam die Frage auf, ob die Stopp Ramstein Kampagne von rechten Leuten unterstützt oder sogar initiiert wird. Frieden war für uns immer ein linkes Thema und die, die wir von „Stopp Air Base Ramstein“ (der Einfachkeit wegen im weiteren Text SABR) kennen gelernt hatten, waren definitiv keine Rechten.

Zur Camp-Orga muss gesagt werden, dass hier ein integrer Haufen angetreten ist, mit dem wir jederzeit Pferde stehlen können. Seitens dieser Camp-Orga wurde mit großem Augenmerk darauf geachtet, dass weder rechte Propaganda noch rechte Gruppierungen auf dem Camp Einzug halten konnten. Versuche von Gruppierungen wie der „Neuen Mitte“ und der FPÖ mit Plakaten auf den Platz zu gelangen, wurden unterbunden. Die Vereinbarung war, dass keine offenen Parteiwerbungen gewollt sind. Die Camp-Orga hat das sehr sauber klar gemacht. Hingegen hatte die Camp-Orga aber keinen unmittelbaren Einfluss auf das Erscheinen von Einzelpersonen aus diesem Spektrum. Dennoch war die Camp-Orga auch hier aktiv und konnten am Samstag drei solcher Einzelpersonen des Platzes verweisen. Wir wurden gebeten uns dabei im Hintergrund aufzuhalten, um gegebenenfalls zu unterstützen, was aber nicht erforderlich war.

Die Wertschätzung des Organisationskomitees gegenüber uns Wampen und unserer Beteiligung an der Kampagne und im Friedenscamp entsprang unserer Wahrnehmung nach an erster Stelle nicht den uns gerne zugeschriebenen logistischen Fähigkeiten, sondern der uns zugeschriebenen politischen Haltung und den daraus resultierenden Handlungen.

Es war wichtig und richtig hier dabei zu sein und Position zu beziehen. Und es war deutlich anstrengender und herausfordernder mit Menschen zu diskutieren, die bereits in eine politische Richtung mutiert sind, die so gar nicht der unseren entspricht. Es geht ein Riss durch die Friedensbewegung, die seinesgleichen zu suchen hat. Friedensbewegte Kritik an der SABR Kampagne haben berechtigte Ängste und Zweifel bezüglich einer Annäherung und Öffnung zu rechtsextremen Positionen an der Kampagne geäußert und an unterschiedlichsten Stellen auch via Internet veröffentlicht. Nicht mit dem direkten Aufruf zum Boykott, sondern mit der Aufforderung sich genau zu überlegen, ob man diese Kampagne unterstützen sollte oder möchte. Verstörend ist hierbei die Aufforderungen unterschiedlicher Organisationen und Parteien in der Friedensbewegung, zu deren äußerst differenten Verhalten die SABR-Kampagne zu unterstützen oder eben nicht. Einerseits wird für eine Zusammenarbeit mit der SABR Kampagne die Erfüllung einer Liste von Forderungen verlangt, andererseits aber dann zu einer Beteiligung an SABR aufgerufen.

Im Besonderem aufgefallen ist dies bei der DFG-VK, deren Fahnen viel bei der Menschenkette zu sehen waren. Hier hat einerseits Markus Pflüger aus der DFG-VK Trier für eine Unterstützung die Erfüllung der Forderungen verlangt, Andererseits hat der DFG-VK Mannheim zu einer Beteiligung an SABR aufgerufen. Einerseits wird durch Julian Theiss, einem Vertreter der Linksjugend und durch Thomas Hagenhofer von der DKP Saarland, die Umsetzung dieser Forderungen verlangt, andererseits spricht dann Oskar Lafontaine bei der Abschlusskundgebung und Konni Schmidt ist als DKP Mitglied aktiv im Koordinierungskreis der SABR.

Dass die Ängste und Zweifel berechtigt sind, ist nicht in Frage zu stellen. Zu nahe sind viele an der SABR beteiligte Menschen den mit viel Augenmerk zu betrachtenden Spektren wie Putin-Versteher, Querfront-Denker und Reichsbürger. Putin-Versteher und Querfront-Denker haben wir auch innerhalb des Camps als Einzelpersonen angetroffen. Ob Reichsbürger an der Menschenkette beteiligt waren ist nicht nachvollziehbar, auf alle Fälle besuchte ein sichtlich bekennender von Ihnen die Abschlusskundgebung.

Gelernt haben wir bei dieser Aktion, dass wir zu indifferent mit den sogenannten „Montagsmahnwachen“ umgegangen sind. Es ist nicht richtig diese einheitlich über einen Kamm zu scheren, sie müssen von Ort zu Ort genauer betrachtet werden. Eine Montagsmahnwache in Heidelberg, Bochum oder Hamburg differiert in ihrer politischen Haltung ganz erheblich zu einer Montagsmahnwache in Berlin oder Bautzen, in denen die Querfrontdenke oder die sogenannten Verschwörungstheorien in den Vordergrund gerückt sind. In Heidelberg findet seit dem 2. Irakkrieg regelmäßig eine Montagskundgebung am „Zeitungsleser“ in der Hauptstraße, veranstaltet vom Friedensforum, statt. Die Heidelberger Friedensbewegung ist Teil der linken Bewegung in Heidelberg, und auch bei antifaschistischen Demonstrationen immer zu finden.

Über die Fortsetzung und die Form einer weiteren Beteiligung der Kuhlen Wampe in der Kampagne, die grundsätzlich zu forcieren wäre, muss in den nächsten Monaten, sowohl intern als auch mit den Friedensbewegten aus den unterschiedlichen Lagern, intensiv diskutiert werden.

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