Rede von Erika Christmann (Frauen wagen Frieden)

Liebe Friedensfreunde und –freundinnen

Ich spreche hier für die Gruppe „Frauen wagen Frieden“ (Projektgruppe in der Frauenarbeit der Ev. Kirche der Pfalz). Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer sagte 1933: „Es gibt keinen Frieden auf dem Weg der Sicherheit, Friede muss gewagt werden.

Frieden ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg ….“

Dieses Wort, das gleichzeitig der Leitspruch unserer Gruppe ist, hat sich auf schlimmste Art und Weise durch die vielen Kriege im letzten und auch diesem Jahrhundert bewahrheitet.

Friedensforscher*innen setzen seit Jahren dem Begriff der Sicherheitslogik den der Friedenslogik entgegen. Wir hatten gerade in Kaiserslautern die Ausstellung des Friedensmuseums Nürnberg und des Bundes für Soziale Verteidigung „Wirksam ohne Waffen“ (WoW), die Beispiele gewaltfreier Friedensicherung aus der ganzen Welt zeigt. Friedenslogisches Denken und Handeln, das dabei unerlässlich ist, beinhaltet Krisenprävention, eine Konfliktanalyse, selbstkritisches Hinterfragen der politischen Handlungen der Konfliktparteien, den Aufbau von Vertrauen und Versöhnungsprozesse.

Vertrauen kann aber nicht erreicht werden durch Aufrüsten und Aufzeigen eigener Stärke. Aktuell müssen wir dies unter großen Ängsten vor einem drohenden Krieg erleben. Kann der atomwaffenbesitzende Staat wirklich erwarten, dass ein diese Waffen noch nicht besitzender Staat seinen Wunsch danach aufgibt? Kann man wirklich erwarten, dass durch das Androhen von Sanktionen und Gewalt dauerhaft Frieden gesichert werden kann? Nur durch Verzicht und Abrüstung können Vertrauen aufgebaut und Kriegsgefahren verringert werden. .

Nichts von friedenslogischem Denken ist zu spüren, wenn

Donald Trump mit Feuer und Zorn wie am 9. August angedroht, Nordkorea treffen will. (Die Rheinpfalz hat am 10. August ein Foto mit einem Flammeninferno auf der Titelseite gebracht.)

Tod und furchtbare Verletzungen bringende Flammen haben die Menschen hier an diesem Ort vor 29 Jahren bei der Flugtag – Katastrophe erlebt. Wir stehen in unmittelbarer Nähe des Gedenksteines, den die Angehörigen der zivilen Opfer errichtet haben. 70 Tote und 1000 Verletzte! (Das US-Militär erließ ein Schweigegebot über die Namen und die Zahl der getöteten Militärangehörigen). Die trauernden und traumatisierten Menschen werden seit diesem Unglück von Seelsorger*innen und Psycholog*innen aufgefangen. Wie gut!

Was aber ist mit den Millionen Menschen weltweit, die über Monate und Jahre in Angst leben müssen, durch Drohnen und andere Kriegshandlungen umzukommen oder die als Flüchtlinge traumatisiert  ankommen und wieder in großer Ungewissheit leben müssen? Nur sehr wenige dieser Menschen erhalten in ihrer seelischen Not Hilfe.

Diese Not macht mich nicht nur traurig sondern auch häufig zornig,

z.B. wenn ich daran denke dass sich bereits vor 29 Jahren Frauen wagen Frieden Frauen eine Mahnwache vor der Air Base gegen die Verherrlichung des Militärischen hielten.   Natürlich belächelt!     Sie setzten vorher auch gegen großen Widerstand in der Landessynode, dem Parlament der Evang. Kirche der Pfalz, durch, dass eine Kanzelerklärung am Sonntag vor dem Flugtag verlesen wurde, in der die Menschen aufgefordert wurden, dem Flugtag fernzubleiben.

Ja, ich bin empört, wenn ich daran denke, dass die Air Base immer weiter ausgebaut, zu immer weiteren Kriegshandlungen beiträgt und die meisten Politiker*innen und Menschen in der Umgebung dies ohne Widerstand hinnehmen.

Es macht mich auch zornig, wenn im Zuge der im Frühsommer angekündigten Erweiterung verantwortliche Politiker und Politikerinnen der Umgebung sogar mit gewisser Freude erwarten, dass nun der Standort endlich gesichert ist und so die Immobilienbesitzer sehr erleichtert sein werden.

Meine Hoffnung, dass eine bessere Welt möglich ist, treibt mich an, mich weiter mit Gleichgesinnten für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zu engagieren, insbesondere auch dafür, dass von deutschem Boden keine Kriege ausgehen.

Frieden ist ein Menschenrecht!

Ich danke allen, die von fern und nah nach Ramstein gekommen sind, um sich dafür einzusetzen.

Der Journalist Stefan Berg schrieb im Spiegel 15/2017: „Es ist etwas falsch in einer Gesellschaft, wenn es modisch ist Veganer zu sein, aber als altmodisch gilt, Pazifist zu sein. Ich bin ein altmodischer Mensch. Etwas Besseres als die Mahnung „Du sollst nicht töten“ habe ich zum Thema Krieg nicht gehört …..“

 

Rede von Erika Christmann am 9.September 2017 zur Auftaktveranstaltung    „Stopp Air Base Ramstein“ vor dem Denkmal der Opfer der Flugtagkatastophe von 1988

Download als PDF >

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzhinweis

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen